3 KOLUMNE V O N W O L F G A N G E .
B U S S Es waren wirklich gute Jahre für Hamburg.
Doch es wird weiter gemeckert.
Ole hat Hamburgs Klima ge- prägt.
Vielleicht das Wichtigste in unserem Leben, das, was es wirklich kostbar macht: Wie ge- hen wir alle miteinander um! Er war dafür das öffentliche Vor- bild.
Es waren Jahre geprägt von Fairness und Freundlichkeit.
Es sind diese „weichen Faktoren“, die eine Familie, eine Firma, eine Stadt und eine Gesellschaft zusammenhalten.
Ruppig, geht nicht! Ich erinnere mich noch gut, als sich die hes- sische SPD im Streit um Ypsilanti eine widerliche Schlammschlacht lieferte.
Zur gleichen Zeit schmiedete Ole von Beust eine um vieles schwierigere Koalition aus Schwarz-Grün.
Ein Modell, an das kaum jemand glaubte.
Wie können bitte ökonomische und ökologische Interessen zusammenpassen? Sie schließen sich doch aus! Ole war der beste Mann gegen Politikverdrossenheit, den wir je hatten! Doch schon wird nachgetreten, werden Missgunst und Misstrauen zwischen Politikern und Bürgern weiter angeheizt von Beust müsse auch nach 30 Jahren aktiver Politik bei der Fahne bleiben, dürfe „nicht davonlaufen“, wird gekrittelt.
Eine kuriose Situation ist in der Stadt entstanden: Ausgerechnet die, die ihn am meisten schätzten, die Gutsituierten, die klassische CDU-Klientel, haben ihren besten Mann weggebissen: Ole, Ole, Ole – was haben sie ihn geliebt und verehrt! Doch dann entscheidet er sich für eine nuanciert andere Schulpolitik – und schon wird heftigst draufgedroschen.
Auf den besten Mann.
Und plötzlich reiben sich alle die Augen: Ole hatte darauf keine Lust mehr.
„Ole hatte keine Lust mehr auf Euch“ kann ich denen nur zurufen.
Und noch einmal: Die Schulreformgegner sind eine Minderheit.
Sie repräsentieren nur ein Fünftel aller Hamburger – aber sie ha- ben mit Macht gegen Ole agiert.
Mit Schrecken stellt die bessere Gesellschaft jetzt fest: Vielleicht bekommen wir als Lohn wirklich eine andere Politik – eine ganz andere: Rot-Grün, wer weiß! Politik ist ohne Kompromissbereitschaft nicht möglich! Ole von Beust hat in seinen Reden immer wieder darauf hingewiesen: Wer zig Volksinitiativen begrüßt, wird zig Einzelinteressen hinnehmen müssen.
Und das ist der Trend: Politik wird in unserer egoistischen Gesellschaft mehr und mehr aus Eigeninteresse betrieben.
Diesen Mann hat man gemocht und geschätzt.
Nicht nur CDU-Anhänger.
Lieber Ole von Beust: Lassen Sie sich nicht die Laune verderben, wenn schon heute nachgetreten wird.
Es gibt viele Menschen mit schlechtem Gedächtnis und bitteren Manieren.
Ich möchte Ihnen, lieber Ole, noch einmal persönlich danken für die Jahre, in denen Sie uns Hamburgern dieses besondere Ge- sellschaftsklima gegeben haben.
Wann werden wir wieder einen Bürgermeister haben, den so viele vertrauensvoll mit seinem Vor- namen anreden – weil sie ihn mochten.
Quer durch alle Schichten.
Ein Mann, der uns allen zeigte, dass es sich als „Bürgermeister für alle Hamburger“ auch ohne große Villa, ohne Protz, ohne Affären und Betrügereien gut leben lässt.
Ohne Gefahr zu laufen, sich von bestimmten Kreisen vereinnahmen zu lassen.
Es geht mit Ihnen ein menschlicher Bürgermeister, der uns nun das vorlebt, was wir alle als „Work-Life-Balance“ loben: vor dem Burnout, vor der Krankheit, vor der Verbitterung aufhören.
Danke für ein weiteres Mal vorbildlichen Handelns! Ade Ole!