
„Können die Klasse halten“ In knapp vier Wochen kickt der FC St.
Pauli wieder in der ersten Liga.
Darüber sprach das Alstertal-Magazin mit dessen Sportchef Helmut Schulte aus Wellingsbüttel.
Alstertal-Magazin: Die Saison geht gut los.
Gleich am 4.
Spieltag kommt schon das Derby gegen den HSV.
Wie groß ist das Kribbeln? Helmut Schulte: Ich muss gestehen, dass das bei mir als junger Trai- ner damals natürlich viel größer war.
Da ich schon ein paar Sachen erlebt habe, ist mein Herzschlag nicht mehr ganz so hoch.
Trotz- dem freue ich mich auf die Spiele.
Dass das gegen den HSV schon das zweite Heimspiel ist, finde ich gut.
Das Einzige was mich derzeit stört ist, dass fast schon zu viel Euphorie im Umfeld herrscht.
Viele Menschen attestieren uns eine gute Mannschaft und dass wir den Liga-Erhalt schaffen.
Das können wir mit unserem Kader auch, trotzdem wird und darf es uns nicht hindern, uns über jeden Punkt zu freuen.
Auf den letzten Aufstieg folgte der direkte Abstieg in Liga 3.
Wurden die Fehler abgestellt? Ich hoffe.
(lacht) Damals wurden wild durch die Gegend Spieler verpflichtet, die nicht weiterge- holfen haben.
Die damals Ver- antwortlichen hatten nicht genug Vertrauen in die Aufstiegs-Mann- schaft.
In diesem Jahr haben wir hingegen unsere Mannschaft zu- sammengehalten und vorsichtig ergänzt, ohne das Gesamtkon- strukt zu zerstören.
Zambrano soll Ihre letzte Verpflichtung sein.
Dabei ist noch Zeit und mit Mini gibt es einen neuen Sponsor.
Ist das Geld alle oder der Kader perfekt? Der neue Sponsor hat keinen Einfluss auf den vor einiger Zeit festgelegten Etat.
Der ist nun aus- geschöpft.
Wenn wir jetzt noch et- was machen wollten, müssten wir Vorgriffe tätigen.
Das ist nicht gut.
Der Verein hat gerade einen Wech- sel in der Betrachtungsweise voll- zogen.
Wir hatten immer getan, was viele Menschen, Kommunen und Länder machen – Geld ausge- ben, das nicht vorhanden ist und dann schauen, wo es herkommt.
Das hat dazu geführt, dass Pauli 2003 fast platt war.
Jetzt kommt etwas ganz Neues: wir geben nur Geld aus, das wir einnehmen.
Da- mit können wir gut leben, denn wir haben einen Kader, mit dem die Klasse gehalten werden kann.
Dacia hat gut zu Pauli ge- passt.
Jetzt ist Mini eingestie- gen, ein Schicki-Auto … Schiki? Natürlich.
Das ist doch so ein kleines be- scheidenes schnuckeliges Auto! Klar, aber ist das der ers- te Schritt des Vereins zur kommerziellen Normalität? Verliert Pauli sein „non established“-Image? Am liebsten wäre es uns allen, wenn wir am Millerntor freien Eintritt hätten, Freibier vertei- len und immer Pflichtspiele gegen Bayern München hätten.
Wenn man das haben will, muss man bestimmte Dinge tun und vermarkten.
Wir klopfen diese immer darauf ab, ob sie zu uns und unserer Selbstwahrneh- mung passen, denn sie sind er- forderlich, um eine Chance in der ersten Bundesliga zu haben.
Das ist manchmal ein Ritt auf der Rasierklinge.
Mini passt da sehr gut zu uns.
Natürlich gibt es auch Unverhandelbares wie den Stadionnamen.
Dass bestimmte Dinge in der Vermarktung nicht durchgehen, ist klar und wird immer so bleiben.
Kai Wehl Warnt vor zu großer Euphorie, blickt aber dennoch optimistisch auf die kom- mende Saison: FC St.
Pauli-Sportchef Helmut Schulte aus Wellingsbüttel.
33 WELLINGSBÜTTEL Foto: Kai Wehl