
Der Mensch prägt seit Jahrtau- senden seine Umwelt.
Meist mit negativen Folgen für Flora und Fauna.
So hat er es beispiels- weise geschafft, bis 1958 das rund 8000 Jahre alte Wittmoor fast gänzlich abzubauen.
Es war in der Ausschürfung einer Glet- scherzunge der Weichseleiszeit entstanden (die endete vor rund 10.000 Jahren).
Die Wälder um das Moor, die auf Geestrücken und Endmoränenhügeln ober- halb der feuchten Flächen la- gen, wurden auch gleich mit vernichtet, um Holz und Wei- defl ächen zu gewinnen.
Auf de- nen bildeten sich aufgrund der intensiven Nutzung irgendwann Heidefl ächen.
So entstand eine neue schöne Landschaft, die Experten für so wertvoll und schützenswert erachteten, dass sie sie 1978 unter Naturschutz stellten.
Seitdem wird durch Renaturierungsmaßnahmen die Moorbildung wieder ge- fördert.
Doch auch die Heide hat ohne menschliche Hilfe keine Chan- ce: „Durch Nährstoffeintrag aus der Luft haben sich Gräser wie das Pfeifengras großfl ächig ver- breitet und die Heide einfach Naturschutzpflegemaßnahmen im Wittmoor „Landschaftsgestalter“ 67 MAGAZIN Wo sonst Kaninchen oder Rehe in aller Ruhe ihre Kreise ziehen, rumpelten kurz vor Ostern ein Bagger und große Trecker durch Feld und Flur: am Scharbarg im Duvenstedter Teil des NSG Wittmoor.
Dort wurde von einem Spezialunternehmen die Grasoberfläche abgetragen, damit wieder Heide wachsen kann.
unterdrückt“, erklärt Michael Obladen vom NABU, der mit Arbeitseinsätzen dem NSG auf die Sprünge hilft.
Beispiels- weise mit dem regelmäßigen Entfernen kleiner Sträucher und Bäume wie Birken, dem sogenannten Entkusseln.
Das ist erforderlich, weil es kein Nutzvieh mehr gibt, das die- se Pfl anzen klein hält.
Bei der gerade durchgeführten Pfl ege- maßnahme war allerdings nicht der NABU, sondern vom Be- zirksamt Wandsbek fi nanziert eine Spezialfirma am Werk: „Sie hat vorsichtig die Ober- fl äche je nach Beschaffenheit 3 bis 10 Zentimeter abgetragen, bis zur Grenze zwischen Mut- terboden und Sand.
Auf diesen freigelegten Flächen kann sich dann wieder die Heide ausbrei- ten.
Teils durch Aussaat und teils durch noch im Boden befi ndliche Samen.“ Dass es gut funktioniert, haben gleiche Maßnahmen vor gut acht Jahren an anderer Stelle gezeigt.
Man kann sich dabei natürlich nach dem Sinn fragen, denn Heide ist eine Kultur- und keine Na- turlandschaft: Warum also Hei- de und nicht wie ursprünglich Wald „erpfl egen“? Darauf fi n- det Michael Obladen sofort eine Antwort.
„Weil man das will! Naturschützer arbeiten immer zielorientiert.
Deswegen wird klar defi niert, ob man Land- schaften ohne menschlichen Einfl uss wild entwickeln lassen will oder nicht.
In diesem Fall haben sich die Experten für den Erhalt der Heide entschieden, weil sie für die Bevölkerung attraktiv ist und eine Großzahl von Tieren von ihr profi tiert.“ Das seien Insekten wie Erd- bienen, die gezielt im Boden und von der Pfl anze leben, aber auch Waldeidechsen und die seltene Kreuzotter, die auf der Roten Liste der vom Ausster- ben bedrohten Arten stehen.
Außerdem Vogelarten, die in offenen Landschaften mit ein- zelnen Büschen vorkommen, wie etwa die Goldammer und der sehr seltene Neuntöter, der im Bereich des Moores und der Weiden lebt.
„Er ist ein Zeigervogel für gesunde Land- schaften“, freut sich Michael Obladen, der am 16.
und 30.
August zur Heideblühte natur- kundliche Führungen im NSG Wittmoor anbietet (Treffpunkt: Lemsahler Landstraße/Ecke Fiersbarg, jeweils 10 Uhr).
In- fos unter www.nabu-hamburg.
de/alstertal! Kai Wehl Heide statt Pfeifengras: Damit sich erstere gegen letzteres durchsetzt, trägt eine Spezialfirma im NSG Wittmoor die Grasfläche ab.
Erklärt den Sinn der Pflege- maßnahmen im Wittmoor und führt dort durch die Heide: Michael Obladen vom NABU.