19 MAGAZIN DG: Sie hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Ich habe ihn als ei- nen vorbildlichen Filmemacher schätzen gelernt, der an seine Filmprojekte mit einer großen Professionalität herangeht und von dem man einiges lernen kann.
Von der Auswahl der Geschichte und der beteiligten Schauspieler, über den Dreh bis hin zum endgültigen Schnitt des Films ist alles genauestens durch- dacht und geplant.
So habe ich zum Beispiel außer bei Filmen von Fatih Akin nie erlebt, dass vor Drehbeginn geprobt wurde.
Er macht das – und wie.
Er lässt während der Proben fast analoge Kulissen aufbauen und probt bis zur Erschöpfung und erst wenn er zufrieden und mit allen Betei- ligten einverstanden ist, fängt er an zu drehen.
Hut ab! Allerdings waren seine Vorstel- lungen von meiner Rolle nicht immer mit meinen Ideen kon- form.
Im Endeffekt hat mich das Ergebnis dann aber doch immer wieder überzeugt, dass er mit dem, was er mir riet, Recht hatte.
AM: Sie lesen häufi g auch Ge- dichte von Bertolt Brecht, Or- han Veli, Pablo Neruda und Nazim Hikmet – vier „politisch aktive“ Menschen.
Nach wel- chen Kriterien suchen Sie sich Literaten aus, deren Texte Sie vortragen? DG: Ich versuche immer zu ver- meiden, Gedichte zu lesen oder vorzulesen, die aus der „Ich-Per- spektive“ geschrieben“ sind.
Die internationalen Dichter, die ich liebe und sehr hoch schätze (nicht nur diese vier, die Sie erwähnt haben) sind alle Humanisten und Träumer mit der Vision einer besseren Zukunft für die Menschen.
AM: Sind Sie selbst auch poli- tisch aktiv? DG: Auf irgendeine Weise sind doch alle Menschen politisch aktiv, auch diejenigen, die das Gegenteil behaupten.
Also, ich gehöre (und gehörte) keiner politischen Grup- pierung oder Partei an.
AM: Sie treten mit den Ge- dichten nicht nur an Thea- tern, sondern auch an Schu- len auf.
Wollen Sie mit den Lesungen eine Botschaft ins Land bringen oder einfach nur unterhalten? DG: Wenn ich die Botschaften meiner Dichter nicht „ins Land“ zu bringen glaubte, hätte ich nie- mals irgendetwas rezitiert.
AM: Was gefällt Ihnen an Pablo Neruda, Sie haben ver- gangene Woche im Anleger seine Gedichte gelesen? DG: Fast alles, was er gemacht, gelebt und geschrieben hat.
Neru- das Werke und Ideen haben mich seit meiner Jugend begleitet.
Jeannine Ehmsen Demir Gökgöl kam durch Zufall an die Schauspielerei.
Foto: Agentur International Actors Vor dem Standesamt: Demir am Filmset von „Gegen die Wand“ mit seiner Schauspielerfamilie.
Foto:© WÜSTE Film / Kerstin Stelter